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Georg Mandel's Heiratsanzeige

Am Mittwoch, dem 25, Mai 1983 erschien in der Manila Post eine Kleinanzeige mit dem Text: "Schweizer Ingenieur, 52, sucht für spätere Heirat Bekanntschaft mit gut aussehender Filipina, nicht über 25. Tel: Mnl 59-09-81, Zi. 407."

Es war 6:30 Uhr morgens, als im Zimmer von Georg Mandel zum ersten Mal das Telefon klingelte.

Es war eine Uhrzeit, um die er noch tief schlief. Es mochte das dritte oder vierte Klingeln gewesen sein, das ihn aufschreckte, und dann tastete er nach dem Telefonhörer auf dem Tischchen neben dem Bett, und ohne den Kopf aus den Kissen zu nehmen, brummte er "Ja bitte."

"Von außerhalb," sagte das Fräulein von der Hotelrezeption.

Es klickte in der Leitung, und dann sagte Georg Mandel noch einmal: "Ja bitte."

"Ist da Zimmer 407," fragte eine Frauenstimme.

"Ja, warum?" fragte Mandel.

"Guten Morgen."

"Ja, guten Morgen."

"Ich rufe wegen der Zeitungsanzeige an."

"Ach so, die Zeitungsanzeige."

"Rufe ich zu früh an?"

"Ja, nein, macht nichts."

"Ich kann auch später noch einmal anrufen." Aber jetzt war Mandel eh wach und würde nicht wieder einachlafen.

"Bleiben Sie ruhig dran," sagte er.

"Ich rufe wegen der Zeitungsanzeige an," sagte die Frauenstimme.

"Das ist sehr nett," sagte Mandel. Jetzt würde er wohl ein Gespräch anfangen müssen, dachte er. Er sagte: "Sind Sie aus Manila?"

"Ich wohne seit drei Jahren hier, aber meine Provinz ist Bohol."

"Bohol, ach ja"

"Kennen Sie Bohol?"

"Nein, ich war noch nie dort."

"Sie müssen Bohol besuchen. Es gibt dort die Schokoladenhügel."

"Na ja," sagte Mandel, "vielleicht fahre ich mal mit Ihnen hin."

"Ja das wäre nett," sagte die Frauenstimme.

"Aber zuerst müssen wir uns kennenlernen."

"Ach ja, gerne."

"Wie heißen Sie eigentlich?"

"Arlene Morales."

"Sind Sie auch so moralisch? "

"Ja, natürlich," sagte Arlene.

"Wo können wir uns denn treffen?"

"Ich weiß nicht."

"Ich würde sagen, heute abend im Diamond Restaurant in Ermita."

"Leider habe ich einen Kurs heute abend. Aber ich glaube, ich kann abwesend sein."

"Einen Kurs? In was denn? Ach, wir können uns auch morgen abend treffen. Ich will nicht, daß Sie wegen mir Ihren Kurs verpassen."

"Ich lerne programmieren. Aber einmal kann ich schon abwesend sein."

"Treffen wir uns doch morgen abend. Sonst denken Sie noch, ich sei rücksichtslos."

"Nein, denke ich nicht; aber morgen abend wäre schon günstiger."

"Gut, morgen abend im Diamond."

"Wo ist denn das Diamond?"

"In Ermita, kennen Sie sich aus in Ermita?"

"Nein, leider nicht," sagte Arlene.

Wenigstens hat sie noch nichts mit Touristen zu tun gehabt, dachte Mandel.

"Sie nehmen einen Jeepney Richtung Baclaran, ja, und wenn Sie an der Luneta vorbeigefahren sind, ja, dann kommen Sie in eine schmale Straße, das ist die Del Pllar Street. Dort ist es gleich am Anfang auf der linken Seite, haben Sie verstanden, ja? "

"Ja, und um welche Zeit?"

"Sagen wir um sieben Uhr."

"Ja, gerne."

"Ich sitze gleich am Eingang."

"Ja, gut."

"Ja, dann sehen wir uns morgen abend."

"Ja," sagte Arlene.

"Ich freue mich schon darauf," sagte Mandel.

"Ja, ich auch"

"Bis dann."

Mandel hängte ein.

"Das war's für's erste," dachte er. "Wie sie wohl aussieht?"

Er hätte sie fragen können, aber er wollte ja nicht gleich unhöflich sein; es war ja keine Prostituierte, das war etwas Besseres, und sie sollte einen guten Eindruck von ihm haben.

"Ob ich wohl einen guten Eindruck gemacht habe?" fragte er sich. Er war nicht unzufrieden.

Mandel wollte gerade aufstehen und sich ins Bad begeben, als das Telefon wieder klingelte.

"Ja bitte," sagte er.

"Von außerhalb," sagte das Fräulein von der Rezeption.

Dann klickte es in der Leitung, und Mandel sagte noch einmal: "Ja bitte."

"Sind Sie der Ingenieur aus der Schweiz?" fragte eine neue Frauenstimme.

"Ja," sagte Mandel, "und wer sind Sie?"

"Mein Name ist Lorna Sing, ich bin 22 Jahre alt und Verkäuferin bei Gaysano."

"Wie schön, dann weiß ich ja schon alles über Sie."

"Ja, nein, noch nicht alles."

"Aber wenn wir uns treffen, werde ich noch vieles erfahren."

"Ja, aber ich bringe meine Freundin mit."

"Ja, das können Sie ruhig. Ich würde sagen, wir treffen uns im Diamond-Restaurant heute abend um sieben Uhr."

"Leider weiß ich nicht, wo das ist."

Das Gespräch wurde Mandel zu lang. Er hatte einen Druck auf der Blase, und er wollte das WC aufsuchen.

"Das finden Sie schon," sagte er, "das ist in Ermita, gleich am Anfang der Del Pilar Street. Das finden Sie schon."

"Ich hoffe es," sagte Lorna.

"Heute abend um sieben dann," sagte Mandel.

"Ja," sagte Lorna, und Mandel legte auf.

Mandel war gerade aufgestanden und wollte sich zum WC begeben, als es erneut klingelte.

Mandel nahm ab und sagte: "Ja bitte."

Es klickte nur und dann war Pause.

"Ja, bitte." sagte Mandel.

Spreche ich mit dem 52jährigen Ingenieur," fragte eine Frauenstimme.

"Ja, Mandel ist mein Name. Sie rufen wegen der Zeitungsanzeige an, ja?"

"Ja."

"Wir können uns erst übermorgen am Abend kennenlernen, oder heute nachmittag. Für heute und morgen abend habe ich schon Vereinbarungen," sagte Mandel.

"Geht es nicht heute abend?" fragte die Frauenstimme. "Ich arbeite im Büro," sagte sie, "und ich habe nachmittags nicht frei."

"Dann erst übermorgen."

"Ja, vielleicht kann ich eine Ausrede finden für heute nachmittag. Wenn Sie es ernst meinen."

"Natürlich meine ich es ernst," sagte Mandel, und er stand neben dem Bett, und er hatte einen Druck auf der Blase.

"Also heute nachmittag," sagte Mandel, "treffen wir uns im Diamond-Restaurant in der Del Pilar Street. Ich sitze gleich neben der Tür.

Die Telefonistin von der Hotelrezeption unterbrach das Gespräch: "Ein weiterer Anruf für Sie, Herr Mandel."

"Einen Moment, bitte," sagte Mandel. Das galt der Telefonistin.

Seine Gesprächspartnerin von außerhalb sagte: "Ich weiß leider nicht, wo das Diamond ist."

Mandel sagte: "Am besten nehmen Sie ein Taxi, die Taxifahrer kennen das Restaurant."

"Ja," sagte die Frauenstimme, "und um wieviel Uhr?"

"Sagen wir um zwei, ja."

"Ja," sagte die Frauenstimme.

"Das war’s dann," sagte Mandel.

"Ja."

"Auf Wiedersehen dann." Mandel hängte ein, nahm den Hörer aber gleich wieder ab. Er sagte: "Das andere Gespräch."

"Hallo, hallo?" fragte eine neue Frauenstimme.

"Rufen Sie bitte später wieder an," sagte Mandel.

"Warum rufen Sie überhaupt schon so früh hier an, es ist noch nicht einmal acht Uhr morgens." Dann hängte Mandel ein und ging ins Bad.

Er war mit dem Urinieren noch nicht fertig, da klingelte das Telefon schon wieder. Es klingelte zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben Mal. Mandel beeilte sich keineswegs mit seinem Rückweg.

"Ja, ja," murmelte er vor sich hin, und dann nahm er den Hörer ab und sagte zunächst gar nichts. Es klickte in der Leitung, und Mandel medete sich: "Ja, bitte."

"Ist da der Schweizer Ingenieur, der heiraten möchte?"

"Ja."

"Ich heiße Maritess."

"Ja, wir können uns am Samstagabend treffen, oder morgen nachmittag," sagte Mandel. "Im Diamond-Restaurant."

"Ach so," sagte die Frauenstimme.

"Verflucht" dachte Mandel, der in Unterhosen neben dem Telefon stand. "Das wird viel zu teuer, wenn ich die alle zum Essen einladen soll."

Er sagte: "Oder kommen Sie heute nachmittag hier im Hotel vorbei, sagen wir: um vier Uhr."

"Ins Hotel?"

"Ja - ich werde Sie schon nicht belästigen, da brauchen Sie keine Angst zu haben. Ich habe ernste Absichten."

"Ja, aber ich war noch nie in einem Hotel."

"Das macht nichts. Sie können ja Ihre Schwester oder eine Freundin mitbringen."

"Welches Hotel ist es denn?"

"Das San Carlos. Kennen Sie das?"

"Nein."

"In der Mabini Street. Die kennen Sie?"

"Ja."

"Neben der Cocobank. Gleich am Anfang der Mabini Street, wenn Sie vom Rizal-Park kommen."

"Ich weiß gar nicht, wie Sie heißen," sagte Maritess.

"Ach so, ja, mein Name ist Mandel. Georg Mandel, vierter Stock, Zimmer 407."

Die Telefonistin mischte sich wieder ein: "Ein weiteres Gespräch für Sie, Herr Mandel."

Mandel sagte: "Ja, Moment. - Maritess, haben Sie meinen Namen verstanden?"

"Nein," sagte Maritess.

"Mandel," sagte Mandel.

"Ja."

"Also, wir sehen uns um vier Uhr nachmittags."

"Ja. Ich bringe meine Schwester mit."

"Ja."

Mandel legte auf. Es klingelte sofort wieder.

"Das andere Gespäch," sagte die Telefonistin.

Es klickte in der Leitung.

"Ja, bitte," sagte Mandel.

"Ich rufe wegen der Zeitungsanzeige an, sagte eine Frauenstimme.

"Ja, schön," sagte Mandel, "wir können uns kennenlernen, wenn Sie wollen."

"Ja, gern," sagte die Frauenstimme.

"Am besten kommen Sie heute vormittag vorbei, sagen wir um elf Uhr."

"Ich bin im Büro, ich weiß nicht, ob ich weg kann."

"Ja, das müssen Sie wissen. Es rufen hier so viele Mädchen an, da mußt du selbst wissen, ob du Interesse hast."

"Ja, hab ich schon, aber...."

"San Carlos, Zimmer 407."

"Ja, aber wir kennen uns doch noch gar nicht."

"Wir werden uns schon kennenlernen."

"Ich bringe vielleicht eine Kollegin mit."

"Ja, wenn Sie das wollen, das heißt...."

"Ja bitte."

"Es wäre besser, wenn Sie allein kämen."

"Vielleicht bin ich doch nicht das, was Sie suchen."

"Das kann schon sein, auf Wiederhören."

Mandel hängte ein. Dann nahm er den Hörer gleich wieder ab. Es war jetzt Viertel nach acht. Die Telefonistin meldete sich.

"Sie haben heute morgen viel Arbeit mit mir," sagte Mandel.

"Das kann man wohl sagen," sagte die Telefonistin.

"Können Sie mir einen Gefallen tun?" fragte Mandel.

"Das hängt davon ab, um was es sich handelt."

"Ich verspreche Ihnen zwanzig Peso Trinkgeld. Sie bekommen sie, sobald ich herunterkomme."

"Das ist nett."

"Lassen Sie mir bitte aus dem Restaurant ein Frühstück hoch bringen, ohne Eier, continental."

"Ja."

"Und vermitteln Sie bitte bis dreiviertel neun keine Gespräche hoch. Sagen Sie, ich sei kurz außer Haus, und die Damen sollen später anrufen."

"Soll ich die Namen notieren?"

"Welche Namen?"

"Von den Anruferinnen."

"Ach so, nein, das ist nicht nötig."

"Ja, gut."

"Vielen Dank auch"

Mandel hängte ein. Er ging ins Bad zum Rasieren und Zähneputzen. Dann klopfte es, und Mandel rief herein. Es war der Etagenjunge mit dem Frühstück. Es war mit Eiern.

Der Etagenjunge stellte das Früstück neben dem Telefon ab. Mandel hatte nur Unterhosen an. Dem Etagenjungen machte das nichts. Der wartete trotzdem auf seinen Peso Trinkgeld.

Mandel zog sich ein Hemd und Shorts an und begann mit dem Frühstück.

Pünktlich um dreiviertel neun klingelte wieder das Telefon.

"Es ist dreiviertel neun," sagte die Telefonistin. "Sie sagten, um dreiviertel neun seien Sie wieder zu sprechen. Ihre Anruferinnen blockieren unsere Leitung."

"Ja danke," sagte Mandel mit vollem Mund, und dann schluckte er. "Ich werde es kurz machen."

Es klickte in der Leitung. "Sie rufen wegen der Zeitungsanzeige an?" fragte Mandel.

"Ja," sagte eine Frauenstimme.

"Das ist gut. Sie verstehen daß wir uns vor allem Weiteren persönlich kennenlernen müssen?"

"Ja, natürlich."

"Am besten wird es sein, Sie kommen hier im Hotel vorbei."

"Können wir uns nicht woanders treffen, in einem Lokal vielleicht?"

"Nein, das wäre nicht günstig. Sie verstehen. Wir kennen uns ja nicht, und wie sollen wir uns in einem Lokal gegenseitig erkennen, wenn wir uns noch nie gesehen haben."

"Ja, das stimmt."

"Sehen Sie. Darum ist es am besten, Sie kommen hier vorbei."

"Ja, das mag sein."

"Kommen Sie, sobald Sie Zeit haben. Am besten heute vormittag."

"Heute vormittag?"

"Ja, wissen Sie, es melden sich viele Mädchen auf die Anzeige. Aber sobald ich eine getroffen habe, die meinen Vorstellungen entspricht, gehe ich keine Verabredungen mehr ein."

"Ach so."

"Ja. Drum ist es natürlich am besten, Sie kommen so bald als möglich. Ihre Chancen sind dann größer."

"Ja, das sehe ich ein."

"Kommen Sie ins San Carlos Hotel, Zimmer 407. Georg ist mein Name."

"San Carlos Hotel?"

"In Ermita. Am besten nehmen Sie ein Taxi."

"Ja."

"Bis später dann," sagte Mandel und hängte ein.

Das Telefon klingelte gleich wieder.

"Sie rufen wegen der Zeitungsanzeige an?" fragte Mandel. "Am besten kommen Sie heute vormittag oder heute nachmittag hier ins Hotel. Dann können wir alles weitere besprechen."

"Hallo?" fragte die Frauenstimme.

"Bringen Sie keine Freundin mit. Die stört nur."

"Ist dort Herr Mandel?" fragte die Frauenstimme.

"Ja, natürlich. Halt, mit wem spreche ich bitte? Woher wissen Sie meinen Namen?"

"Hier ist die Philippine Airlines. Sie haben Ihren Flug für übermorgen nicht rückbestätigt."

"Ach so. Ja, den Termin können Sie streichen. Ich fliege später."

"Wissen Sie schon, wann?"

"Nein. Aber ich werde mich rechtzeitig wieder melden."

Mandel legte auf. Er fand Zeit für ein paar Bissen seines Frühstücks. Dann läutete es wieder. Mandel nahm ab und wartete bis es geklickt hatte.

"Sie rufen wegen der Zeitungsanzeige an?"

"Ja," sagte eine Frauenstimme.

"Kommen Sie bitte heute im Laufe des Tages im San Carlos Hotel, Zimmer 407 vorbei. Herr Mandel, um den es in der Anzeige geht, hat mich beauftragt, ernsthafte Interessentinnen zu einem persönlichen Gespräch einzuladen. Sie sind doch ernsthaft interessiert?"

"Ja, natürlich."

"Dann kommen Sie bitte ohne Begleitung. Ihr Alter ist nicht über 25?"

"Nein."

"Gut, dann kommen Sie vorbei." Mandel legte auf.

Es war 12.30 Uhr, als es an der Zimmertür klopfte. Georg Mandel sagte laut "Herein", aber die Tür wurde nicht geöffnet. Statt dessen klopfte es noch einmal.

Mandel ging und machte die Tür auf. Es waren zwei Mädchen, beide in College-Uniformen.

"Kommt herein," sagte Mandel.

Sie kamen nur drei Schritte herein und blieben stehen. Mandel machte die Tür wieder zu.

"Ich habe heute vormittag angerufen," sagte die Hübschere.

"Nehmt doch Platz," sagte Mandel.

"Sind Sie der Ingenieur," fragte die Hübschere.

"Ja," sagte Mandel. "Setzt euch hin," und er deutete auf die beiden Stühle am Tisch. Die beiden nahmen Platz.

"Es freut mich, daß du gekommen bist," sagte Mandel.

Er setzte sich auf den Bettrand.

"Wie war noch dein Name?"

"Susan."

"Susan," sagte Mandel.

"Und Sie?"

"Ach, das weißt du noch nicht?"

"Nein."

"Entschuldige," sagte Mandel, "Mandel heiße ich, Georg Mandel."

Das Telefon klingelte. Mandel wartete, bis es geklickt hatte.

"Ja, bitte," sagte er.

"Ich rufe wegen der Zeitungsanzeige an," sagte eine Frauenstimme.

"Sprechen Sie bitte persönlich vor, San Carlos Hotel, Ermita, Zimmer 407."

" Ja, aber..."

"Kommen Sie morgen im Laufe des Tages, wenn Sie es ernst meinen."

"Ja, aber..."

"Leider habe ich für ein langes Telefongespräch keine Zeit; es würde mich freuen, Sie morgen kennenzulernen." Mandel legte auf.

"Es rufen viele Mädchen an?" fragte Susan.

"Ja, du mußt entschuldigen," sagte Mandel.

"Es wollen eben viele einen Europäer heiraten," sagte sie.

"Ja," sagte Mandel, und jetzt kamen sie aufs Thema. "Und wie ist es mit dir, du auch?"

"Ach, wenn er nett ist - natürlich."

"Und wenn er schon 50 ist?"

"Na ja," sagte sie, "ältere Männer haben den Vorteil, daß sie treuer sind."

Mandel stand auf und er stellte die Klimaanlage auf kühler. Aber es war nur ein Vorwand. Als er zurück zum Bett ging; faßte er Susan an der Schulter und sagte: "Und du meinst, wir würden zusammenpassen?"

"Na ja, warum nicht," sagte Susan.

Sollte das nun seine Ehefrau werden, der er treu bleiben würde, fragte sich Mandel. Trotz ihres Flirts fühlte er sich ihr keineswegs nahe.

Sie sah vorteilhaft aus, hauptsächlich im Vergleich zu ihrer Freundin, die auf dem zweiten Stuhl saß und noch keinen Ton geredet hatte.

"Und du glaubst, du könntest in Europa leben?"

"Ja, natürlich, warum nicht?" sagte Susan.

"Ich finde dich schon ganz nett."

"Ja? Danke."

"Da brauchst du dich nicht zu bedanken. Das ist die Wahrheit."

"Na ja, Sie sind auch nett," sagte Susan.

"Ich bin aber schon 52."

"Sie machen aber einen viel jüngeren Eindruck."

"Ja, meinst du?"

"Ja, wie 35 vielleicht."

"Na, na, warum denn nicht gleich wie 15?" sagte Mandel.

Das fand Susan lustig, weil sie es lustig finden wollte. Wenn es lustig war, gab es einen Grund zum Lachen und zur Freundlichkeit.

"Wir verstehen uns ja anscheinend ganz gut," sagte Mandel.

"Sie haben einen guten Humor," sagte Susan.

"Du aber auch," sagte Mandel.

Das war wieder ein Anlaß zum Lachen.

Mandel sagte daraufhin: "Ich sage jetzt etwas, das ist aber kein Witz: warum setzt du dich nicht hierher zu mir?" Er klopfte dabei mit der Handfläche neben sich aufs Bett.

"Aufs Bett?" fragte Susan.

"Na ja, setz dich her." Die Freundin, Susans Wachhund, schüttelte energisch den Kopf.

"Wir kennen uns doch erst eine halbe Stunde."

"Das hat doch damit nichts zu tun," sagte Mandel.

"Außerdem müssen wir zurück ins College." Der Wachhund nickte kräftig. "Es ist schon nach 1 Uhr," sagte Susan.

Während sie dies sagte, stand sie auch schon auf. "Wir können dich ja morgen wieder in der Mittagspause besuchen," sagte Susan.

"Aber die bring bitte nicht mit," sagte Mandel, und er deutete mit dem Kopf auf Susans Freundin.

Er stand auf und machte den beiden die Zimmertür auf. Susan ging hinaus, und der Wachhund trottete hinterher.

Es dauerte nicht lange bis zum nächsten Besuch. Mandel hatte gerade genug Zeit, zwei Telefonanrufe zu beantworten. Die Besucherin war eine schlanke junge Frau, Mitte oder Ende Zwanzig, und sie war dezent gekleidet.

"Kommen Sie herein," sagte Mandel.

"Ich heiße Luz Martinez," sagte sie.

"Georg Mandel," sagte Mandel.

"Nett, Sie zu treffen." sagte Fräulein Martinez.

"Ganz meinerseits," sagte Mandel. "Nehmen Sie Platz." Mandel rückte einen Stuhl zurecht.

"Danke," sagte Fräulein Martinez und setzte sich.

Mandel lud am Telefon eine weitere Frau ein, sich persönlich vorzustellen.

"Kommen viele?" fragte Fräulein Martinez.

"Ja, sehr viele," sagte Mandel, der auf dem zweiten Stuhl Platz genommen hatte. "Die Auswahl fällt schwer. Es sind sehr viele."

"Dann habe ich sicher keine Chance," sagte Fräulein Martinez.

"Sagen Sie das nicht," sagte Mandel. "Sie sehen sehr gut aus."

Mandel faßte Fräulein Martinez bei der Hand. Schlimmstenfalls würde sie wegrennen. Es stand für ihn nicht viel auf dem Spiel, und wenn diesmal nichts draus würde, dann würde er eben auf die nächste warten.

Fräulein Martinez hatte zierliche Hände, an denen sie kleine Ringe trug. Sie ließ es sich gefallen, daß er ihre Hand in die seine nahm. Er streichelte ihre Pfote und rückte näher.

"Ich glaube ihnen nicht, daß Sie ernste Heiratsabsichten haben," sagte Fräulein Martinez, "aber das macht nichts."

"Hab ich schon. Warum glauben Sie das nicht?" fragte Mandel.

"Es gibt zu viele Mädchen in Manila, und alle wollen Ausländer."

"Ja, warum denn?"

"Die Ausländer sind reich"

"Nur deshalb?"

"Ausländer haben auch einen höheren Status," sagte Fräulein Martinez, die sehr gepflegt war, "aber die Ausländer meinen es nicht ernst."

"Ich schon," sagte Mandel.

"Das sagen alle."

"Ich meine es wirklich so."

"Das sagen auch alle. Aber wir werden ja sehen."

Dann küßte Mandel Fräulein Martinez, und sie ließ es geschehen.

"Ich liebe dich," sagte Mandel.

"Du liebst mich nicht, aber ich dich," sagte Fräulein Martinez.

Das Telefon klingelte, und Mandel nahm ab. Er wartete bis es geklickt hatte und sagte: "Ja bitte."

"Ich rufe wegen der Zeitungsanzeige an," sagte eine Frauenstimme.

"Es tut mir leid, Sie kommen zu spät," sagte Mandel.

Es waren so viele, die anriefen, daß er dem Fräulein Martinez zum Gefallen gerne eine opfern konnte.

Er wartete keine Antwort ab, sondern legte gleich auf, und dann ging er zum Fräulein Martinez und nahm sie bei der Hand und legte sie aufs Bett. Sie war willig und hatte kleine Brüste. Es war ein ganz konventioneller Geschlechtsverkehr, und dann rauchte Mandel eine Zigarette.

"Ich habe heute nachmittag einiges zu erledigen," sagte Mandel

"Was?" fragte Fräulein Martinez. "Aspirantinnen empfangen?"

"Nein," sagte Mandel, "außer Haus."

Fräulein Martinez hüpfte ins Bad. Als sie zurückkam und sich ankleidete, fragte sie: "Sehen wir uns wieder?"

"Natürlich," sagte Mandel.

"Komm morgen nachmittag wieder vorbei."

"Nachmittags bin ich im Büro."

"Dann eben abends."

"Bist du zu Hause?"

"Ruf vorher an."

Fräulein Martinez ging, ohne aufgefordert werden zu müssen.

Mandel verließ das Zimmer ein paar Minuten später. Er gab der Telefonistin die versprochenen 20 Peso. Sie hatte viele Pickel im Gesicht, und Mandel dachte, daß er nicht mit ihr schlafen würde, selbst wenn sie es ihm anbieten würde.

Dann ging er zum Essen. Das war die Erledigung außer Haus.

Als er zurückkam, erwarteten ihn drei Mädchen an der Rezeption. Er nahm sie mit aufs Zimmer, und dort stellte sich heraus, daß nur zwei Interessentinnen waren, und das dritte Mädchen die Freundin einer der beiden anderen.

Es war die Schönere, die allein gekommen war, und es fiel Mandel deshalb leicht die anderen beiden wegzuschicken. Er war wenig rücksichtsvoll, und das war das erste Anzeichen vom Übermut.

"Wie heißt du denn?" fragte er die, die übrig geblieben war.

"Christina."

"Und wie alt bist du?"

"Zweiundzwanzig."

Mandel bot ihr Platz auf einem Stuhl an und nahm selbst auf dem anderen Platz.

Chistina war ein mädchenhafter Typ, ein bißchen pummelig, mit Schultern, die nicht schwächlich wirkten.

"Was ist denn deine Arbeit?" fragte Mandel.

"Im Restaurant," sagte Christina.

"Ach ja," sagte Mandel. "Und du kommst aus Manila?"

"Nein, Cavite."

"Bist du sicher, daß du heiraten willst?"

"Nur einen Ausländer."

"Das ist aber eine ernsthafte Sache, und die Konkurrenz ist groß. Du mußt verstehen, daß alle Bewerberinnen sehr genau geprüft werden."

"Ja," sagte Christina, "verstehe ich."

"Zunächst kommt es auf die Schönheit an."

Einen Moment schaute Mandel sie fragend an. Als ihre Augen sich trafen, senkte Christina den Kopf.

"Ja, dann steh bitte auf, damit ich dich anschauen kann."

Christina stand auf. Sie stand vor Mandel, der auf seinem Stuhl saß, und der langsam ihre Bluse aufknöpfte.

Christina faßte ihn an den Handgelenken, aber es war schwacher Widerstand, und Mandel sagte: "Es muß sein. Du meinst es doch ernst, oder? Wenn du es ernst meinst, muß es sein."

Dann stand Christina vor ihm, mit festen Brüsten, die er mit seinen Händen umfaßte.

"Du wirst verstehen," sagte Mandel, "daß ich nur eine Jungfrau heiraten kann. Du hast doch noch nichts mit einem anderen Mann gehabt."

"Nein, nichts."

"Kann ich dir das glauben?"

Christina war hilflos.

"Du mußt verstehen, daß ich das vor einer so ernsten Sache wie einer Heirat prüfen muß."

Christina antwortete nicht. Sie ließ es zunächst geschehen, das Mandels Hand ihre festen Schenkel hochschlich und ihre Scham befühlte, doch dann brach sie in Tränen aus und rannte aus dem Zimmer.

Mandel beendete seinen Akt allein. Wozu brauchte man schon die Mädchen, wenn man Phantasie hatte.

Es war der Überdruß, der nach dem Überfluß kommt.

Mandel nahm den Telefonhörer ab, und er wartete, bis sich die Telefonistin meldete, und dann sagte er: "Ich bin für heute nicht mehr zu sprechen. Sagen Sie den Damen, sie sollen morgen oder übermorgen wieder anrufen."

Er ging Kaffee trinken, aber er mied das Diamond.