email serge
HOME


MENU

Die Gold Love

Die MV Gold Love war ein alter Kahn, der nach Tacloban schipperte, eine Stadt, von der Dewey lediglich wußte, daß sie auf der Insel Leyte lag. Auf dem Schiff kaufte er sich als Ben Salvador ein Ticket dritter Klasse, das ihm die Liege 172 zuwies. Er kümmerte sich nicht um diese Festsetzung, sondern ging aufs oberste Deck, das sun deck hieß, aber auch überdacht war. Dort legte er sich auf eine Pritsche, von der aus er durch die Reling den Pier überblicken konnte.

Die Gold Love war ein schweres Schiff, das Lasten und Passagiere beförderte. Es wurde konventionell beladen, Arbeitskraft war ja billig und was kümmerten die Gold Inter Island Shipping die schmerzenden Knochen der Hafenarbeiter. Die sollten doch froh sein, daß sie auf anständige Weise ihr täglich Brot verdienen konnten.

Natürlich war das Be- und Entladen auf die konventionelle Art und Weise langwierig. Aber die Leute hatten ja Zeit. Nur Dewey war ungeduldig. Planmäßige Abfahrt wäre um 11:30 Uhr gewesen, aber um 1:30 Uhr wurden immer noch Reissäcke verladen, von Arbeitern, die sich jeweils einen der 50-Kilo-Säcke auf den Kopf packen ließen und dann mit schnellen kleinen Schritten über schwankende Bohlen im Bauch des Schiffes verschwanden. Es waren hunderte Säcke, und mehrmals, wenn es schien, als seien endlich alle verladen, kam ein Gabelstapler mit einem neuen Träger Reissäcke aus der großen Lagerhalle angefahren.

Es war kurz nach 2 Uhr, als das Schiff endlich ablegte. Die Gold Love drehte langsam vom Pier ab, und der Kapitän schrie dabei wie ein Verrückter seine Anweisungen durch sein Megaphon. Deweys Pritsche lag jetzt in der Sonne, und es war ihm, als spüre er jeden einzelnen Strahl. Es war erträglich, denn es strich ihm ein leichter Wind über den Körper.

"Manila ade," dachte er. Er blickte der Skyline der Hauptstadt nach, über der eine Dunstglocke schwebte, und die langsam am Horizont verschwand. Manila war ihm zuwider geworden, mit seinem Gestank und seinen korrupten Polizisten, dem Lärm und der ewigen Jagd nach Geld. Dewey dachte an Natur und Geruhsamkeit, an die Arbeit von Bauern und an freundliche Leute.

Es gab eine junge Mutter in seiner Nähe, die einen Säugling, zwei kleine Kinder und einen Ehemann zu versorgen hatte. Der Ehemann trug eine Sonnenbrille und war selbst unreif wie ein Kind, und es war Dewey vom ersten Moment an klar, daß die Frau es war, die in der Familie die Entscheidungen traf.

Die Familie hatte ihren ganzen Hausstand dabei. Unter den Pritschen, die sie belegte, standen große, verschnürte Pappschachteln.

Es war wunderbar, der jungen Mutter zuzuschauen, wie sie auch hier, auf dem Schiff, ihren Haushalt erledigte. Mit Wasser aus einem Kanister spülte sie die Plastikteller ab, von denen der Mann und die Kinder gerade Reis gegessen hatten, und dann schrie der Säugling, der auf ein großes Kissen gebettet war, und sie nahm ihn auf den Arm. Mit der freien Hand holte sie eine Brust aus ihrem Kleid, das einen tiefen Ausschnitt hatte, und es war ein richtig schönes Euter, prall und mit einer deutlichen Ader, die wie mit zittriger Hand gemalt zur Brustwarze verlief.

Dewey war gebannt von diesem Anblick, aber für die junge Mutter war es eine Selbstverständlichkeit. Es schien, als sei sie gar nicht bei der Sache, denn sie unterhielt sich, während sie das Baby stillte, angeregt mit einer älteren Frau, die ihr gegenüber saß. Ihr unreifer Ehemann stand derweil eitel im Sonnenlicht und rauchte eine Zigarette.

Ein paar junge Männer hatten eine Trinkrunde nicht weit von Deweys Platz. Ein Krug Bier stand auf dem Boden, und sie tranken aus Plastikbechern. Ein älterer Mann fiel auf, weil man seine Kleidung nur als Schlafanzug identifizieren konnte. Ein anderer Mann hatte einen Kampfhahn auf dem Arm, den er zärtlich streichelte. An dem Mann war nichts Besonderes, aber der Hahn war gut. Es war ein wahres Prachtexemplar, und es kamen bald andere Männer dazu, das Tier zu begutachten.

Nach einer dreiviertel Stunde etwa war von Manila nichts mehr zu sehen, und sie tuckerten nun den ganzen Nachmittag in nur wenigen Kilometern Abstand an der Küste Luzons entlang. Die Küste war hügelig, und es gab kleine Buchten, in denen Dörfer lagen, die vom klaren Licht der Nachmittagssonne beschienen waren, und wenn es größere Dorfer oder kleine Städte waren, gab es einen Kirchturm. Es begegneten ihnen viele Auslegerboote, und manchmal winkten die Fischer.

Dewey verbrachte den Nachmittag damit, daß er jeden Artikel der Zeitung las, die er in der Evangelista in Manila gekauft hatte, und hin und wieder stand er an der Reling, und dann schaute er auf die Hügel Luzons. Das Schönste war aber doch die junge Mutter, wenn sie das Baby stillte. Sie beherrschte die Szene, und es konnte überhaupt keinen Zweifel geben, daß sie den Takt angab, wenn sie und ihr Mann sich liebten, und Dewey war sich sicher, daß der Ehemann ihr nicht gewachsen war - auch im Bett nicht. Dewey hätte gern sein Glück mit ihr versucht, aber es blieb dabei, daß er sich das in der Phantasie ausmalte.

Da seine Identität als Cal Dewey ihm nur Ärger einbringen konnte, mußte er seinen Paß vernichten. Auf der Toilette zerschnippelte er ihn, und die Reste packte er in eine Papiertüte, tat eine Banane als Schwerkörper dazu und warf das ganze über Bord.

Bei Einbruch der Dunkelheit wurde eine Glocke geläutet, und der Lautsprecher verkündete, daß das Abendessen angerichtet sei. Die Kantine war auf dem mittleren, hinteren Deck. Als Dewey dort ankam, gab es keinen Sitzplatz mehr, und so wartete er im Licht des Sonnenunterganges an der Heckreling und meditierte in die Gischt hinein, die die Schiffsschraube hinterließ. Manila schien ihm schon viele Tage entfernt.

Die Sonne war schon untergegangen, als er sich an einen der langen Tische setzte, die von kaltem Neonlicht beleuchtet waren. Er hatte sein Eßblech noch nicht erhalten, als er einen kleinen, aber stämmigen Europäer in die Kantine kommen sah.

Deweys Tischnachbarn gingen davon aus, daß die beiden Ausländer zusammensitzen wollten, und sie rückten, so daß es auf der Bank einen freien Platz neben Dewey gab. Nun war es denn nicht mehr zu vermeiden, daß sich der andere neben ihn setzte.

Dewey stellte sich nicht als Ben Salvador, sondern mit seinem tatsächlichen Namen vor, und er erfuhr, daß sein neuer Tischnachbar Niederländer war und Samuel Jarek hieß.

Sie bekamen ihr Abendessen serviert: es bestand aus einer großen Portion Reis, der nicht sehr gesäubert war, und aus einem kleinen, gebratenen Fisch. Der Fisch war so versalzen, das man ihn gerade wie ein Gewürz verwenden konnte, und so reichte er denn auch für die ganze Platte Reis.

Jarek war kein Tourist, und Dewey war froh drum. Jarek lebte in der Nähe von Tacloban, in einem Ort, der Toledo hieß, und er hatte dort ein paar Hektar Land gekauft, auf dem er Gartenbau betrieb. Jarek lud Dewey zu einem längeren Aufenthalt ein, wofür nur ein geringer Unkostenbeitrag zu leisten sei.

Soweit kamen sie mit ihrer Konversation beim Abendessen, und dann waren der kleine Fisch und die Riesenportion Reis gegessen, und sie standen auf und gingen jeder zu seinem Schlafplatz.

Die Trinkrunde in der Nähe von Deweys Liege war inzwischen fröhlich geworden, und es war unausbleiblich, daß Dewey zum Mittrinken aufgefordert wurde. Dewey wußte, es würde nur eine gekünstelte Unterhaltung werden, denn er hatte mit diesen jungen Männern nichts gemein. Er sagte, er sei Anti-Alkoholiker, und das fanden die jungen Filipinos besonders lustig. Dewey machte sich nichts daraus.

Es war ein gelbes, funzliges Licht, das von der Decke fiel, und weil der Abendwind kühl war, ließen die Leute an der Reling die Gummiplanen herab. Es war nichts Schönes an so einem Abend auf einem Schiff im philippinischen Inselverkehr.

Die jungen Männer begannen bald, Karten zu spielen, und das, obwohl an Deck deutlich sichtbar Schilder angebracht waren wonach Glücksspiele an Bord strengstens verboten waren. Aber wer kümmerte sich auf den Philippinen schon um Verbotsschilder?

Es war ein Spiel wie 17 und 4, und es ging zunächst um 2- und 5-Peso-Scheine. Es war einer mit einem runden Kopf und glattgescheiteltem Haar, der die Bank übernommen hatte, und es machte dieser eine Weile bescheidene Gewinne.

Bald schon lagen 10-Peso-Noten auf der Pappschachtel, die ihnen als Spieltisch diente, und das machte heiße Ohren. Ein guter Tagesverdienst war leicht in fünf Minuten zu verlieren. Der mit dem glatten Scheitel blieb am ruhigsten. Er hatte schon Gewinne gemacht und schien ohnehin der reichste in der Gruppe zu sein.

Ein anderer mit einem schmalen Gesicht und lockigen Haaren verlor beständig. Er wurde bald ziemlich nervös, und er strich sich, wenn er seine Karten begutachtete, immer wieder mit dem Zeigefinger über eine Augenbraue.

Der Arme kostete seine Niederlage schon aus, dachte Dewey. Wenn er einen guten Freund gehabt hätte: der hätte ihm dringend vom Weiterspielen abraten müssen. Aber die anderen Spieler waren nicht die Freunde des jungen Lockenkopfes, und Dewey schon gar nicht. Es war zur Abwechslung auch ganz unterhaltsam, einen untergehen zu sehen.

Natürlich ging er unter; dann suchte der Arme seine Rettung in höheren Beträgen. Dann lag die erste 100-Peso-Note auf der Pappschachtel. Der Gescheitelte, der weiterhin ruhig war, fragte den Lockenkopf, ob er das denn wirklich riskieren wollte; ihm war kein Vorwurf zu machen.

Die anderen Spieler waren ausgestiegen, und es hatten sich ein paar Zuschauer angesammelt. Vom Schiffspersonal war einer dabei, und der Ehemann der jungen faszinierenden Mutter stand auch herum.

Der Lockenkopf bekam die ersten Karten und er erhöhte nochmal um 70 Peso; das war wohl alles, was er besaß. Der Gescheitelte zog mit, und es lagen jetzt 340 Peso auf dem Haufen. Der Lockenkopf war ganz zittrig, der Arme, als er sich die nächste Karte geben ließ. Er hatte Angst, sie richtig anzuschauen, hielt sie in der Hand und schielte ganz langsam nach dem Bild.

Die Karte paßte nicht ins Blatt, Dewey wußte das im voraus. Für ein paar Sekunden blieb der Lockenkopf ganz ruhig. Dann schmiß er die Karten weg und griff nach dem Geld. Der mit dem glatten Scheitel hatte schon damit gerechnet. Der hielt den Arm, der zu seinem, zum fair gewonnenen Geld greifen wollte, mit einer Hand fest und nahm sich mit der anderen, was ihm gehörte.

Der arme Verlierer rührte sich zunächst nicht. Erst als der Gescheitelte sich sein Geld genommen hatte, sprang er auf und schrie und schimpfte. Er beschuldigte den Gewinner, falsch gespielt zu haben, und er hatte Tränen in den Augen, diese Memme. Der, der die Bank geführt hatte, stand nun auch auf, und man sah: es war eine athletische Figur. Er sagte etwas, ruhig aber warnend, und er ging einen Schritt auf diesen wildgewordenen Verlierer zu, und der wich zurück.

So standen sie einen langen Moment zwischen den Pritschen, und das Publikum, Männer, Frauen, Kinder, wartete. Auch Dewey wartete. Ihm gefiel das. Es war unterhaltsam, Abwechslung. Der Lockenkopf wandte sich schon ab, fiel innerlich zusammen, weil er eingesehen hatte, daß er chancenlos war. Doch dann hellte sich sein Gesicht für einen Augenblick auf, und obwohl er sich nicht getraut hatte, als erster einen Schlag zu tun, traute er sich doch, dem anderen ins Gesicht zu spucken.

Er hatte gut getroffen, und der mit dem Scheitel war so schockiert, daß er plötzlich lächerlich aussah. Ganz langsam wischte er sich den Speichel von der Stirn, aber warum, warum um Gottes Willen, rannte der junge Lockenkopf jetzt nicht davon? Nein, er stand da, stand da und grinste. Und das Publikum grinste mit. Dann bekam er eine geschossen, mitten ins Gesicht, die saß, und der Kerl flog über zwei, drei von diesen Holzliegen, und er blutete aus der Nase und aus dem Mund.

Da raffte sich dieser Verlierer schon wieder auf; den Schlag hatte er offensichtlich gebraucht, um seinen Mut zu finden. Er wollte sich auch schon wieder auf den Großen stürzen (und es wären sicher noch ein paar gute Szenen gekommen), als ihn von hinten ein Offizier des Schiffes packte.

Dieser war ein echter Spielverderber, der wollte nur Ordnung und Ruhe an Deck. Er hielt den armen Verlierer von hinten umklammert, und das Kindchen strampelte und strampelte. Der Offizier bekam dabei einen schmerzhaften Tritt gegen das Schienbein. Er ließ den Jungen plötzlich los, und dieser war so überrascht, daß er mitten im Strampeln zu Boden fiel.

Sofort stand der Lockige wieder auf, und jetzt spuckte er auch noch den Offizier an, dieses Lama. Und das alles nur, weil er beim Kartenspielen verloren hatte. Dewey hätte ihm gerne zugerufen: "Junge, man muß auch verlieren können."

Bei dem Offizier war er mit der Spuckerei erst recht an den Falschen geraten. Der versetzte ihm einen Schlag in die Magengrube. Und dieser lächerliche Verlierer klappte zusammen und röchelte nach Luft und kriegte keine, und röchelte und röchelte, als sei er am Abkratzen.

Na ja, so schlimm wird es schon nicht sein. Das hast du nun davon, daß du so rumspuckst. Da liegst du nun und röchelst und kotzt und kriegst keine Luft mehr und das alles wegen der läppischen paar hundert Peso.

Die Show war vorbei, und langsam ging das Publikum auseinander. Der Röchelnde, er kriegte immer noch fast keine Lüft und war schon ganz bleich, wurde von zwei Mann der Schiffsbesatzung die steilen Treppen hinunter aufs Mitteldeck gezerrt. Jetzt erst fiel Dewey auf, daß Kindergeplärr herrschte, und auch der Säugling der jungen schönen Mutter war aufgewacht, und sie stillte ihn, es war wirklich eine Pracht.

Dewey schlief die Nacht auf dem Schiff unruhig, und er wachte auf, als es noch dunkel war. Aber es krähten schon all die Hähne, die zahlreich mitgeführt wurden, und in einer halben Stunde, dachte er, oder spätestens einer, würde es hell werden.

Dewey ging zur Schiffskantine hinunter, und obwohl es noch Nacht war, war er nicht der einzige dort. Ein paar Mann von der Schiffsbesatzung saßen herum, nichts Höheres, nur Tellerwäscher und Servierer. Es gab auch ein paar Passagiere, die so aussahen, als hätten sie die ganze Nacht nicht geschlafen. Es war kühl in der Kantine, denn man hatte hier nicht die Gummiplanen gegen den Wind heruntergelassen.

Dewey wartete an der Reling, daß es Tag würde. Es dauerte noch eine viertel Stunde, dann sah er über ein paar Wolken hoch am Horizont den ersten roten Schein. Nach ein paar Minuten war es ein ganzes leuchtendes Wolkenband, und unter den Wolken erhob sich dunkelgrau ein Inselgebirge, und das Schiff wirkte so klein vor der bedrohlichen Bergmasse und unter den Wolken mit den leuchtend roten Kronen, und es war, als würde es in einen dunklen Schlund fahren.

Diese Stimmung dauerte eine kurze Weile, und dann wurden die Berge und das Wasser heller und der rote Schein über den Wolken verblaßte. Jetzt war es diffuses Licht und Dämmerung. Und als nach einer weiteren viertel Stunde die Sonne zu sehen war, war sie nicht mehr rot und glühend, sondern schon weißes Licht und warm.

Die Kantine füllte sich bald. Das Frühstück wurde ausgegeben, mit einem Becher schwachen Milchkaffees und einem Happen Rührei und einem großen Schlag Reis. Nach dieser Mahlzeit ging Dewey zurüch auf das sun deck, und er döste auf seiner Pritsche vor sich hin und dachte daran, wie er dem Richter entgangen war.

Gegen acht kam Jarek vorbei, der einen Gesprächspartner brauchte, weil ihm langweilig war. Jarek war ungeduldig, und er wollte zu seinen Leuten zurück, obwohl er nur zehn Tage weg gewesen war. Es stellte sich heraus, daß Jarek alle zwei Monste für zwei Wochen nach Manila mußte, weil er dann die Großstadt brauchte, und die Weiber. Trotzdem fand es Jarek ganz in Ordnung, daß er verheiratet war, und er beteuerte immer wieder, daß er seine Ehefrau liebe. Er wolle eben das eine nicht verpassen, und das andere auch nicht, und mit dem einen meinte er seine Frau, und mit dem anderen die Prostituierten in Manila.

Das sei völlig in Ordnung, sagte Jarek, und als Dewey meinte, es höre sich reichlich schizophren an, zuckte Jarek nur mit den Achseln und meinte: so sei es eben, das Leben, und schizophren sei es - aber auf einer höheren Ebene sei das alles ganz logisch. Jedenfalls dürfe man alles nicht so ernst nehmen, denn was man zu ernst nehme, das gehe sowieso nur schief. Ein Doppelleben müsse er führen, weil er sonst nicht alles unter einen Hut bekomme.

Wenn seine Frau eine Ahnung gehabt hätte von seinem Doppelleben - die wäre natürlich nicht damit einverstanden. Aber sie wußte es nicht, das naive Ding, und es war gut, daß sie es nicht wußte, und, so versicherte Jarek, es war gut, daß er dieses Doppelleben führte, gut für ihn und auch gut für seine Frau.

Für seine Frau sei sein Dopplleben sogar ganz ausgezeichnet, eine wahre Wohltat, denn würde er nicht sein Doppelleben führen, könnte er sie längst nicht so lieben. Besonders wenn er von seinen Touren nach Manila zurückkam, dann liebte er sie ganz besonders, wie er beteuerte.

Sie unterhielten sich noch eine ganze Weile über das Leben, wie es so ist, und Dewey nahm die Einladung nach Toledo an, und Jarek erklärte ihm redselig, wie die Inseln und die größeren Orte hießen, an denen sie vorbeikamen: da waren die Inseln Biliran und Daram, und dann fuhren sie in die Bucht von Babatngon und unter der Präsident-Marcos-Brücke hindurch, die die Inseln Samar und Leyte verband. Es war eine abenteuerlich schöne Natur, mit vielen kleinen unbewohnten Inselchen, nur ein paar Hektar groß. Für ein paar hundert Dollar konnte man sich eine Insel kaufen, ein ganz persönliches Paradies, versicherte Jarek. Und auf den kleinen und auf den großen Inseln waren Kokoswälder, und wieder begegneten sie Fischern in Auslegerbooten, und die Sonne war warm, und die junge Mutter stillte ihr Baby und Jarek erzählte Dewey, daß er seine Frau wirklich liebte, und er rechnete aus, wie lange es noch dauern würde bis Tacloban. Dewey hatte es gar nicht eilig. Er fand alles wunderbar.