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Das Objekt Kroll

Die Medien widmeten dem Entführungsfall Kroll beachtliche Aufmerksamkeit. Entführungen waren immer gut für die Medien, hauptsächlich, wenn sie einen politischen Hintergrund hatten. Das wollten die Leute lesen, und dann kauften sie die Blätter. Entführungen waren ausgezeichnet. Da war Dramatik drin. Entführungen waren viel besser als Morde. Morde waren etwas Fertiges. Da war das Opfer schon hinüber. Bei Entführungen war noch der Nervenkitzel dabei: überlebt er oder überlebt er nicht?

Der Leser konnte sich freuen, daß er nicht in der Haut des Entführten steckte. Es war tröstlich, daß es anderen noch viel schlechter ging als einem selbst. Entführungen waren wirklich ausgezeichnet, und politische Entführungen waren für die Zeitungen wahre Sternstunden. Da konnten auch die seriösen Gazetten, bei denen die Politik an erster Stelle stand, mitziehen. Da brauchten die Herren und Damen Redakteure keine Bedenken haben, sie ließen sich auf das Niveau der Revolverpresse hinab.

Politische Entführungen waren schließlich eine Bedrohung des Staates. Das war etwas für Sicherheitstäbe, nicht einfach nur für die Kriminalpolizei. Es war Politik, auch wenn es eine Entführung war. Es war Politik mit Haut und Haaren. Das lasen alle gern, diejenigen, die sich für Verbrechen interessierten, und diejenigen, denen es um die Politik war.

Die Zeitungen müßten den Entführern eigentlich dankbar sein. Aber nein, heuchlerisch wie Redakteure eben sind, zogen sie über die Leute her, die sie so großzügig mit Material versorgt. Das war Pressefreiheit.

Den Redakteuren wurde es ganz warm ums Herz, als sie die ersten Informationen von der Entführung Oswald Krolls bekamen. Von nun an war für einige Ausgaben der Aufmacher gesichert. Dabei war das Material zuerst überaus dürftig. Es war nur eine Mitteilung, daß eine Gruppe mit Namen Vereinigte Volksbefreiungsfront der Philippinen den deutschen Touristen Oswald Kroll entführt hatte. Sonst nichts.

Aber die Sache ließ sich trotzdem zu einem dreispaltigen Aufmacher aufblasen. So konnte der Redakteur, der den Artikel schrieb, herumrätseln, wer sich hinter dem Namen Vereinigte Volksbefreiungsfront der Philippinen verbarg. Der Name hörte sich ja gefährlich an. War das nun eine Vereinigung aller Terrorbanden des Landes? Das wäre ja phantastisch. Dann würde es ja fast eine Art Bürgerkrieg geben, und dann gab es Stoff, Stoff, Stoff. Da würde eine fette Zeit für die Presse anbrechen.

Oder war es nur eine neue Splittergruppe? Nicht ganz so gut, aber auch nicht schlecht - immer noch besser als Parlamentsdebatten oder Presseerklärungen von Ministern.

Aus solchen Nicht-Informationen ließen sich ganze Absätze stricken: "Unklar ist, wer sich hinter der Bezeichnung Vereinigete Volksberfreiungsfront der Philippinen verbirgt... Bisher gibt es keine Anhaltspunkte, daß sich verschiedene Terrorbanden zusanmengeschlossen haben... Die Terroristen haben bisher noch keine Forderungen gestellt... Die Regierung hat noch nicht Stellung genommen.... Die Ermittlungen der Polizei haben zunächst keine erkennbaren Erfolge gebracht...."

Klasse, einfach Klasse. So leicht ließ sich normalerweie keine interessante Story verzapfen.

Und dann konnte man im Archiv herumblättern, und aus diesem Material noch einmal ein paar Absätze kondensieren, die eigentlich mit dem Fall Kroll gar nichts zu tun hatten. Aber wer wollte bestreiten, daß die Leser ausführlich darüber informiert werden wollten, wann und wie sich die letzte ähnliche Entführung zugetragen hatte.

Da war noch der Fall Galici vom Mai. Ricardo Galici, ein junger Italiener, ebenfalls Tourist, war von drei ganz gewöhnlichen Kriminellen entführt worden, die auf diese Weise vom italienischen Staat ein Lösegeld von 2 Millionen Peso erpressen wollten. Der Fall war, leider, schon nach drei Tagen aufgeklärt worden. Die Entführer waren echte Dilettanten gewesen, richtige Anfänger. Ihr Unterschlupf war von der Polizei gestürmt worden. Dabei waren zwei der drei Entführer erschossen worden, und der dritte hatte sich winselnd ergeben. Und dem Touristen Ricardo Galici hatten sie nicht einmal ein Haar gekrümmt, diese Flaschen.

Aus solchem Material also wurden die ersten Berichte zusammengesetzt.

Doch am zweiten Tag war die Nachrichtenflaute schon vorbei. Denn dann hatten die Terroristen ihre Forderungen vorgelegt, und mit der Hinrichtung ihrer Geisel gedroht, falls die Forderungen nicht erfüllt würden. Bescheiden waren die Herrschaften ja nicht. Die Freiheit des Touristen Kroll sollte sich die Regierung schon etwas kosten lassen.

Gefordert wurde zunächst die Freilassung von zwei radikalen Studentenführern, Roberto Go und Julia Santos. Diese beiden waren erst im Juli bei einer Razzia in Quezon City verhaftet worden und wurden jetzt aufgrund der Preventive Detention Action, PDA, gefangengehalten. Nach früheren Darstellungen aus Regierungskreisen waren die beiden ganz gefährliche Fanatiker. Sie hatten sich zwar bisher nicht erkennbar etwas zu Schulden kommen lassen, aber, so hatte ein Regierungssprecher versichert, beide seien Menschen, die zu jedem Terrorakt bereit seien, wenn es ihrem Ziel, den Präsidenten zu stürzen, diene.

Weiterhin forderten die Terroristen der Vereinigten Volksbefreiungsfront der Philippinen, daß ein Manifest über alle staatlichen Fernseh- und Rundfunksender verlesen werde. Das wäre ein richtiger Knüller, wenn der Sprecher der abendlichen Haupt-Nachrichtensendung, Räusper, Räusper, ankündigen müßte, daß jetzt, Räusper, Räusper, die Verlesung eines Manifestes der Vereinigten Volksbefreiungsfront der Philippinen folge. Dann würden all die Worte genannt werden, die sonst im Fernsehen und Hörfunk im Zusammenhang mit innerphilippinschen Verhältnissen tabu waren: Diktatur, Imperialismus, Verletzungen der Menschenrechte, beschnittene Pressefreiheit, Räusper, Räusper, Unterdrückung von Minderheiten, Klassenkampf, Räusper, Räusper, Ausbeutung, willkürliche Folterungen - als ob die Tatsache nicht willkürlicher Folterungen eine Selbstverständlichkeit in diesem Staate sei.

Einen guten Schluß würde es mit etwas Glück auch noch geben, mit richtig saftiger Action, mit einer Schießerei zwischen Terroristen und Polizei, vielleicht sogar unter Beteiligung der Armee - das wäre noch besser, dann kämen vielleicht sogar noch ein paar Panzer ins Spiel.

Vielleicht würde es auch tragisch ausgehen, mit einem kaltblütigen Mord am Opfer. Das Blut Unschuldiger war der Lebensaft der Presse. Jedem echten Zeitungsmacher lief bei dieser Geschichte das Wasser im Munde zusammen.

Die Regierung hatte ein ambivalenteres Verhältnis zu dem Fall. Nicht, daß sie ernsthaft in Sorge um das Leben dieses Herrn Oswald, oder wie immer der Entführte hieß, gewesen wäre. Aber zunächst wäre es der Regierung natürlich viel lieber gewesen, diese Terroristen hätten einen Einheimischen entführt. Dann gäbe es nicht diese unangenehme internationale Publizität, und scheinbare Rücksichtnahmen auf ausländische Mächte würden sich erübrigen. Da der Entführte aber offenbar Deutscher war, hatten die Journalisten in der Bundesrepubilik schon kräftig in dem Fall gesuhlt. Das alles war ungemein schlecht für den Tourismus und der Tourismus war wichtig, weil man Devisen brauchte.

Wenn es wenigstens eine schnelle Leiche gewesen wäre. Aber dann zog sich das Spiel über eine Woche hin. Ob dieser Entführte schließlich umgebracht wurde oder nicht, war gar nicht mehr so wichtig. Je länger der Fall dauerte, desto sicherer bekamen potentielle Touristen Angst, sie könnten auch entführt werden. Aber natürlich war die Gefahr minimal. Da war die Chance schon größer, im Urlaub an einer ansteckenden Krankheit oder bei einem Verkehrsunfall umzukommen.

Aber das mache man mal dem einfachen Volk in der Bundesrepublik Deutschland klar. Die Leute werden ja hysterisch, wenn in einem Urlaubsland etwas wie dieser Fall Kroll passiert. Als ob in Manila jeden Tag irgendwelche Touristen einfach so von der Straße weg entführt würden. So war es ja wirklich nicht, aber für den Tourismus war das alles trotzdem ungemein schädlich. Wenn sie ihn nur gleich abgeknallt hätten, diesen Touristen, aber jetzt zog sich das auch noch in die Länge.

Andererseits hatte der Fall auch seine guten Seiten. Es war einfach ein perfekter Anlaß, um einen schärferen Kurs zu steuern. Man konnte ein paar unliebsame Intellektuelle festnehmen und dank dieses auf dem Dekretwege vom Präsidenten erlassenen Gesetzes mit dem schönen Namen Preventive Detention Action vorläufig einsperren. Denn diese Intellektuellen waren ja die geistigen Väter dieser politischen Fanatiker. Linke Professoren an den Universitäten - und ein paar linke Priester gehörten auch zu dem Pack.

Gegen die konnte man nach solchen spektakulären Entführungen verschärft vorgehen; da war so eine Entführung gerade der richtige Vorwand. Und wenn dieser Tourist, dieser Knoll oder Kroll oder wie er sonst auch heißen mochte, wenn der möglichst kaltblütig geschlachtet wurde - um so besser. Um so schärfer konnte man gegen die Intellektuellen und das ganze subversive Ungeziefer einschreiten.

Die Öffentlichkeit hatte man dann schon auf seiner Seite; je blutdürstiger die Terroristen, desto größer die Unterstützung für die Regierung. So eine Handvoll grausamer Terroristen war da viel wirksamer als großzügige Sozialprogramme, die ja außerdem nur Geld kosteten. So ein richtiges Feindbild mußte her, das schaffte Solidarität des Volkes mit den Herrschenden; da brauchte man auch keine Politik des sozialen Ausgleichs mehr. Die Entführung und längst einkalkulierte Ermordung eines kleinen Touristen, dieses Groll oder Kohl, oder wie hieß er doch gleich, die hatte also auch für die Regierung durchaus ihre strategischen Vorteile.

Was von der Regierung völlig ausgeschlossen wurde, waren Verhandlungen mit den Terroristen. Es sprach nicht gerade für die Intelligenz der Entführer, daß sie offenbar annahmen, die Regierung würde sich hier auf irgendwelche faulen Geschäfte einlassen. Nicht, wenn es nur um eine so bedeutungslose Figur ging wie diesen Touristen Kroll. Da hätte man schon ein Mitglied der Präsidenten-Familie entführen müssen, oder sonst jemanden, der als Mensch wichtig war.

Wenn es wenigstens ein US-Bürger gewesen wäre. Die US-Regierung hatte immerhin Einfluß auf die Regierung der Philippinen. Aber wegen so eines läppischen Deutschen, nein. Was mußten diese Entführer für naive Leute sein. Wegen dieses läppischen deutschen Touristen würde man hier keinen Kuhhandel betreiben.

Die philippinische Regierung würde auf die Forderungen der Terrorsisten nicht eingehen. Man würde sich ja nur ins eigene Fleisch schneiden. Man würde mit der Freilassung von Gesinnungsgenossen der Entführer nur die Reihen der Umstürzler verstärken, und mit einer Verlesung ihres Manifestes würde man nur die Werbetrommel für diese Herrschaften rühren.

Und dann die psychologische Aufwertung der Terroristen - allein schon dadurch, daß man mit ihnen verhandelt. Das hieße ja schon fast, daß man sie als ernsthafte Gegner ansieht.

Schließlich, nicht auszumalen, welche Folgen eine aus der Sicht der Terroristen gelungene Aktion hätte. Die nächste Entführung wäre ja schon vorprogrammiert. Die selben Leute würden über kurz oder lang wieder einen Touristen entführen, und dann wieder einen. Man würde Nachahmer ermuntern. Dann gäbe es tatsächlich bald Touristen-Entführungen am laufenden Band. Die großen Hotels, an denen über mehrere Ecken ja auch Mitglieder der Regierung gut verdienten, könnte man dann gleich zumachen. Und so viel war dieser Herr Kroll wirklich nicht wert. Der mußte eben geopfert werden, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Für diesen Herrn Kroll war es schade, aber im Interesse der Nation war es wohl unumgänglich. Nun ja, lieber Oswald, so ist das nun mal.

Für die Öffentlichkelt waren derartige taktische Erwägungen allerdings nicht bestimmt. Die Öffentlichkeit verlangte nach Prinzipien, nach hohen Idealen, nach Politikern, denen es nur ums Gemeinwohl ging.

Für öffentliche Erklärungen hatte man da den Sprecher des Präsidenten, William Mantoc. Der verstand sich vorzüglich darauf, alles so zu erklären, wie es den Erwartungen der Öffentlichkeit entsprach. Dafür war er ja schließlich angestellt.

William Mantoc erklärte ganz schamlos, daß der Regierung in diesem Fall die Hände gebunden seien. Schließlich gebe gesetzliche Bestimmungen, wonach es unzulässig war, staatsgefährdende Gruppierungen zu unterstützen, auch wenn dies unter erpresserischem Druck geschehe. Das sei ein Grund, warum die Regierung ganz grundsätzlich nicht auf Forderungen von Terroristen eingehen könne. Denn auch die Regierung habe sich an die Gesetze zu halten. (Ein echter Windfall-Profit dieser Entführungsgeschichte: man konnte hier einmal unter Beweis stellen, was viele Leute bezweifelten, nämlich, daß dieses Land von einer gesetzestreuen, nicht einer willkürlich handelnden Regierung beherrscht wurde.)

Was die Forderung nach der Verlesung dieses schmuddeligen Manifestes, in dem es von Beleidigungen wimmelte, anbetreffe, so müsse er, William Mantoc, die Terroristen darauf aufmerksam machen, daß die Redaktionen der Rundfunk- und Fernsehanstalten in der Programmgestaltung frei seien und die Regierung nicht darüber bestimmen könne, was gesendet werde. Noch herrsche in diesem Lande Pressefreiheit, und auch die Regierung, bis hinauf zum obersten Exekutivherrn, respektiere dieses Grundrecht, ganz im Gegensatz offenbar zu den Entführern, die eine Staatsform installieren wollten, in der es mit der Pressefreiheit und einer ganzen Reihe anderer Grundrechte ein für alle mal vorbei wäre.

Kurz und gut, die Forderungen der Entführer würden nicht erfüllt, der Staat sei nicht erpreßbar.

Nun durfte man sich ob der frommen Sprüche dieses William Mantoc keiner Illusion hingeben. Es wäre diesem flinken Herrn auch etwas Gescheites eingefallen, wenn man die Erfüllung der Forderungen der Entführer hätte rechtfertigen müssen. Seine Argumentation hätte dann wahrscheinlich darauf abgezielt, daß die Regierung nichts höher achte als das Leben unschuldiger Menschen. Mit dem Hinweis auf einen höheren Notstand hätte man ohne weiteres ein paar kleine Gesetze übertreten können - und man hätte sich dabei sogar im Einklang mit einer herrschenden Meinung der Rechtsgelehrsamkeit befunden.

Das ganze hätte dann ein Beispiel für den Großmut und die Gutherzigkeit der Regierung abgegeben. Der flinke Mantoc, ein wahrer Fuchs, hätte das schon so gedreht, daß alles im richtigen Licht erschienen wäre. Darauf verstand er sich. Der konnte jede taktische Entscheidung aus ehernen Grundsätzen ableiten. Dafür hatte man ihn ja angestellt. Pech für Kroll alias Dewey war es, daß die Fähigkeiten Mantocs nicht zu seinen Gunsten gefordert waren.

Die Erläuterungen William Mantocs (gewissermaßen gegen Kroll) fruchteten übrigens. In der größten Zeitung der Hauptstadt, der Manila Post erschien am Sonntag, dem 4. Dezember 1983, ein Leitartikel, der auch ein Leiderartikel war, und ziemlich auf der Linie des Präsidenten-Palastes lag. Er war sogar noch um eine interessante Variante bereichert.

Unter der Überschrift Entführungs-Tragödie lautete der Text:

Ein deutscher Tourist wurde entführt. Ein junger Student, der unser Land besucht hat, bevor er seine Ausbildung in seiner Heimat abschließen wird. Die Gastfreundschaft unseres Volkes hatte es ihm angetan, denn er hatte sich schon mehrere Monate in unsrer Inselwelt aufgehalten. Wahrscheinlich hatte er lange für seine Weltreise gespart. Sein langer Urlaub in unserem Land war ein Beitrag zur Entwicklung unserer Nation, denn hier gab er sein Geld aus. Er trug dazu bei, daß wir genug Devisen haben, um Erdöl zu importieren, Maschinen in Übersee zu kaufen, und Reis, wenn eine Dürre unser Land heimsucht. Wir haben allen Grund, ihm dankbar zu sein.

Dann wurde er entführt, entführt von Terroristen, die eine kommunistische Diktatur in diesem Land errichten wollen. Entführt von eine Bande von Fanatikern, denen ihre eigene schiefe Ideologie wichtiger ist als der Wohlstand unseres Volkes. Entführt von skrupellosen Elementen, deren einziges Anliegen ist, unsrem Staatswesen zu schaden, es in letzter Konsequenz zu zerstören. Wozu solche Elemente in der Lage sind, wenn es ihnen gelingt, die Macht zu ergreifen, haben die Jahre des Pol-Pot-Regimes in Kambodscha gezeigt. Dort haben kommunistische Fanatiker Millionen ihrer eigenen Landsleute grausamst ermordet, um eine Welt gemäß ihrer Ideologie zu installieren. Kinder wurden angestiftet, ihre Eltern an die Geheimpolizei auszuliefern. Die Toten wurden verscharrt wie Tierkadaver.

Mit solchen Unmenschen kann es keine Kompromisse geben. Wer ihnen die Hand reicht, den ziehen sie in den Abgrund. Wer diesmal auf ihre Forderungen eingeht, den werden sie das nächste Mal doppelt erpressen. Vier ihre Gesinnungsgenossen freizulassen, würde nur ihre Mordschwadrone verstärken. Wer ihre Propaganda veröffentlicht, macht ihnen nur Mut und erleichtert ihnen die Rekrutierung neuer Mitglieder. Wer sich auf sie einläßt, ist mitschuld, wenn ihr Fanatismus weitere unschuldige Opfer fordert.

Mit solchen Unmenschen kann es keine Kompromisse geben. In jedem funktionierenden demokratischen Staatswesen gibt es Rechtsgüter, die heilig sind. Die Gesetze können nicht gebeugt werden, weil fanatische Terroristen es verlangen. Gewalt darf nicht belohnt werden. Die Regierung darf sich nicht zum Komplizen der Rechtsbrecher machen.

Ein deutscher Tourist wurde entführt. Unserer Nation wurde damit viel Schaden zugefügt. Die Zahl der Touristen aus der Bundesrepublik Deutschland wird vielleicht sinken.

Ein unschuldiger Mensch befindet sich in den Klauen blindwütiger Fanatiker. Unsere Sicherheitskräfte werden alles ihnen nur Mögliche tun, um ihn zu befreien. Für die Männer des Sonderkommandos der Polizei ist dies eine Zeit ohne Feierabend und ohne Erholung. Unermüdlich werden sie jeder noch so unscheinbaren Spur nachgehen, um die Entführer zu ergreifen und Oswald Kroll zu retten.

Doch der Mensch ist unvollkommen. Darum beten wir zu Gott. Wir bitten ihn, uns im Kampf gegen das Böse beizustehen. Wir vertrauen darauf, daß er einen Sieg des Teufels nicht zulassen wird. Wir beten für Oswald Kroll. Er hat mit seinem Besuch in unserem Land unserer Wirtschaft geholfen, und wir sind ihm dafür dankbar. Wir möchten ihm sagen: Gott ist mit dir. Unsre Herzen sind mit dir. Alle Gläubigen dieses Landes, das er Iiebt, beten für seine Unversehrtheit. Oswald Kroll ist mit uns, und mit uns kämpft er gegen das Böse in dessen Gewalt er sich noch befindet. Aber der Sieg des Guten ist gewiß.

Nun weißt du es also, lieber Dewey alias Kroll. Gott ist mit dir, was willst du mehr. Wenn schon nicht dein Leben, dann ist dir zumindst dein Seelenheil gewiß. Denn du stehst auf der Seite des Guten. Und alle guten Filipinos lieben dich, wenn du für ihren Rechtsstaat stirbst. Du bist drauf und dran, ein kleiner Nationalheld zu werden. So viel Ehre wird dir noch zuteil, du Glücklicher, und dies alles, ohne daß du eine wahre Leistung hättest vollbringen müssen. Nur dein bißchen Leben wird dir wahrscheinlich abhanden kommen. Aber was macht das schon.